Berater – fachliche und technische Kompetenz

Fachliche und technische Kompetenz

Jeder kommerzielle Endkunde arbeitet in mindestens einer Branche. Natürlich geht es überall darum einen bestimmten Bedarf zu decken.


Immer wird man über Herstellung/Beschaffungs- und Absatz-/Verteilungsprozesse stolpern. Abseits der wertschöpfenden Kernprozesse gibt es in jedem Unternehmen Stütz- und Managementprozesse.

Abgesehen von den kundenspezifischen Besonderheiten – also wie sich der Endkunde selbst in der Branche positioniert, behauptet, seine Wachstumsstrategie auslegt, etc. hat jede Branche ihre besonderen Prozessschritte. Beispiele reichen von rigiden
Vorgaben in der Materialbeschaffung der Luftfahrtindustrie über JIT-Vereinbarungen in der Autozulieferung bis hin zu Provisions-/Vergütungsmonsterprozessen im Banken- und Versicherungswesen.

Je nach Betriebsgröße kann allein schon die Anzahl der Kernprozesse gewaltig sein.

Berater gibt es für fast jede Lebens- und Unternehmenslage. Vom psychosozialen Gesundheitsberater, Lebenscoach, Ernährungsberater bis zu den Kollegen von Accenture, die als Unternehmensberater die C-Ebenen der Welt mit fast religösem Repetivismus mit ihren Charts überziehen.

Daneben finden wir im persönlichen Lebensumfeld noch den Bankberater oder gerne auch den Fitness-Coach. In Firmen gibt es Logistikberater, SAP-Berater, Image-Berater, IT-Berater, Technologieberater u.v.m.

Wenn wir für uns privat einen Berater wählen, dann schenken wir diesem Menschen erstmal Vertrauen (und in der Regel bezahlen wir ihn für die Dienstleistung). Als Gegenleistung erwarten wir von ihm einen guten Rat. Also nicht nur „einen Rat“ sondern einen Guten.

Was aber braucht der Berater, damit er mir einen guten Rat geben kann?

  • Er muss das Ziel kennen. Dazu werde ich in der Regel eine Frage/Aufgabenstellung formulieren, die ich selbst nicht mit ausreichender Sicherheit beantworten kann. Er wird mit entsprechender sozialer Kompetenz und mit den notwendigen Techniken ausgestattet so lange nachfragen, bis er sicher ist, dass die Frage/Aufgabenstellung korrekt erfasst wurde und wir gemeinsam das gleiche Verständnis darüber haben.
  • Er muss die Situation kennen, in die er hineinberaten soll. Kennt er nicht möglichst das gesamte Umfeld kann er nicht effizient – im Sinne von wirkungsvoll und umsetzbar – beraten. Für einem Urlaubsberater mag die Situation noch recht einfach abschätzbar sein. Die Anzahl der Parameter ist auf den ersten Blick überschaubar (und ein Großteil schon in der Zielbesprechung abgeklärt worden): Reisezeitraum, Dauer, Budget, die Größe der Gruppe, Zimmeranzahl, minimale Anforderungen an das/die Zimmer, Zielrichtung (nord/süd/ost/west), Transferarten und Einschränkungen (Flug < 5 Stunden, Bus, Selbstanreise), Genre (Kultur, Entspannung, Roundtrip, Cruise, etc) usw.
    Bei einem Managementberater oder gar einem Logistikberater dauert die Situationserfassung wesentlich länger und hat naturgemäß mehr, komplexe und vor allem von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche Parameter. Hier muss eine  Ist-Analyse erfolgen. Der Erfahrung und dem Gespür des Beraters ist zu überlassen, wie tief diese Analyse gehen muss, um seinem Job erfolgreich nachgehen zu können. Projekte „auf der grünen Wiese“ benötigen dabei naturgemäß kürzere Ist-Analysen als ein M&A-Projekt.
  • Er muss sein Handwerk kennen. Sicherlich eine der Kernkompetenzen eines Beraters, ohne die alle anderen Fähigkeiten nichts bringen. Ein Sportberater muss keine Sportskanone sein, sehr wohl muss er die Best Practices, Vor- und Nachteile, Risiken, Kosten, Nutzen, Wettbewerbsparameter uvm, das zu der jeweiligen Sportart zählt wissen und beurteilen. Das Wissen darf nicht statisch sein, es muss mit der Zeit wachsen, am Stand bleiben, erneuert werden. Ein Sportberater muss auch die Trends kennen, die Marktgrößen, Zukunftsaussichten (plural), kontroverse Ansätze und wahrscheinlich muss er für qualitativ hochwertige Beratung auch ein Stück weit Anatomie und Physiologie kennen – zumindest damit er seinem Kunden raten kann einen Arzt aufzusuchen, bevor er eine bestimmte Sportart ausübt. Ganz ähnlich verhält es sich in anderen Beratungsbranchen. Ein Logistikberater muss das Umfeld seiner Branche kennen. Transportwege, -arten und Kosten, Alternativrouten, Ortungs-/NFC-Technologien, EH&S-Vorschriften, Gesetze und best practices, Studien zur Vorhersage von Verkehrsentwicklungen, und vieles mehr.
    In den letzten Jahrzehnten verzahnen sich Unternehmensprozesse zusehends mit der darunterliegenden Software (manchmal auch umgekehrt – verzahnt sich Software mit den darunterliegenden Unternehmensprozessen). Dieser Trend wird sich aus meiner Sicht fortsetzen und letztlich den Markt zweiteilen. Echte, bis zu einem gewissen Grad flexible Standardsoftware einerseits und hoch spezialisierte Expertensysteme andererseits werden den Ton angeben. Jeder Berater, der seine Dienste einem Unternehmen zur Verfügung stellt muss zu seiner Tätigkeit passendes Wissen über Standardsoftware und – wenn relevant – Expertensysteme mitbringen. Ohne dieses Wissen über die Möglichkeiten der Systeme könnten Alternativen aufgezeigt oder gar Empfehlungen gegeben werden, die mit der verfügbaren Software nicht oder nur mangelhaft abgedeckt werden.
    Speziell für IT-Berater bedeutet das in der heutigen Zeit eine durchaus herausforderndes Berufsbild, dazu aber in eigenen Artikeln später mehr.
  • Aus dem Wissen um den eigentlichen Auftrag, das Umfeld und das Thema an sich lassen sich meist mehrere Alternativen ableiten. Als guter Berater erlaubt man sich in möglichst vielen Alternativen zu denken, wägt Vor- und Nachteile sorgfältig und gewissenhaft ab. Einige Alternativen wird man zwar andenken, aber schon bald ausscheiden lassen, andere werden bis zu einer Besprechung mit dem Kunden überleben. Nur wer die obenstehenden Punkte verfolgt hat kann mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten aufwarten und diese auch neutral und sachlich bewerten. Wenn sich zu einer Aufgabenstellung nur ein Vorschlag ableiten lässt würde ich nochmal tief in mich gehen und nachdenken, was ich übersehen habe.

Dieser Artikel ist ein Teil des umfangreichen Themas, welche Skills ein Berater im heutigen Umfeld mitbringen muss. Flankierende Skills im Bereich Methodik, Präsentation, Zusammenarbeit usw. werden in weiteren Artikeln bearbeitet.

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Eine Antwort zu Berater – fachliche und technische Kompetenz

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