Bitcoins, Cryptowährungen, Blockchain – ein kurzer Überblick

240px-bitcoin-svgNachdem gerade wieder die nächste Hype-Welle überschwappt mache ich jetzt mal eine Serie zu Bitcoins und verbundenen Themen. Die Serie soll einen schnellen und für Consultants verständlichen Überblick über die einzelnen Themengebiete geben. Wenn man Lust hat, gibt’s zu jedem Unterthema zigtausende Seiten bei Google & Co.

Bitcoins gibt es schon länger. Ich selbst habe 2009 die ersten Bitcoins ge-„mined“, also wörtlich übersetzt abgebaut (was ja gar nicht so falsch ist, dazu aber im nächsten Artikel mehr). Mein letztes Wellenreiten am Hype war 2014. Dann wurde glatt wieder meine Bitcoin-Bank beraubt und der Spaß darüber hielt sich in Grenzen.

Die Serie soll aus jetziger Sicht folgende kurze, knackige Detailartikel enthalten

  • Bitcoins, Crypotwährungen, Blockchain – Analogien -> Done.
  • Bitcoins & Cryptowährungen
    • History, Mining, Aktuell -> Done
    • Chancen und Gefahren für die Gesellschaft -> done.
    • Chancen und Gefahren für den Besitzer der Bitcoins -> Done.
    • Ausblick -> Done.
  • Blockchain –>done
    • Technologie
    • Aktuelle Anwendungen
    • Zukünftige Anwendungen

Während ich so vor mich hinschreibe lasse ich es in einem Artikel und trenne später auf

Bitcoins, Cryptowährungen, Blockchain Annäherung und Analogie über Bargeld

Bitcoins und andere Crypotwährungen sind wie digitales Bargeld zu verstehen. Ein scheinbarer Widerspruch in sich. Sobald etwas digital ist, kann es auch gelogged und ausgewertet werden und Bargeld ist das Gegenteil.

Standard Zahlung via Kreditkarte/Bankomatkarte

Wenn ich mit meiner Bankomatkarte im Sommerurlaub im Ausland Sonnencreme kaufe wissen davon mindestens:

  • Der ausländische Zahlungsdienstleister
  • Desssen Bank
  • CIA/NSA/FBI/ECHELON (für VISA-Karten zumindest)
  • Nationaler Repräsentant des Zahlungsdienstleisters (z.B. VISA)
  • Meine Bank

Sollen sie nur. Aus einer einzelnen Transaktion kann man ja ohnehin kein Profil erstellen. Aber ich gleite ab, das ist ein anderes Thema. So ist es im digitalen Alltag – es geht recht transparent zu.

Zahlungsflow

Bargeld im Vergleich

Mit Bargeld ist die Überwachung und das Profiling nicht so einfach. Habe ich in meinem Ursprungsland Geld abgehoben, dann weiß meine Bank davon, sonst niemand. OK, war ich beim Bankomat in einer anderen Bank, dann wissen davon auch wieder Zahlungsdienstleister und Bank. Aber nur, dass ich an einem Donnerstag um 18:15 200€ abgehoben habe. Mehr nicht. Das ist zwar auch schon Meta-Information für Profiling, aber von der Qualität her mit dem obigen Beispielt nicht vergleichbar.

Was ich dann mit dem Bargeld mache (Unter den Kopfpolster legen? In Bitcoins investieren oder RAOC) wird in der Regel Niemand erfahren. Wenn ich wegen besonderer Verdienste einen Ehrenplatz auf der FBI Most-Wanted-List habe, dann vielleicht schon – denn dann wird gezielt überwacht und das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Nachteile von Bargeld

Münzen und Scheine sind nicht so praktisch wie das Bezahlen mit der Karte. Wenn wir in ein Land mit einer anderen Währung reisen, müssen wir Geld wechseln, zahlen dafür Gebühren und im worst-case wechseln wir zurück, wenn wir heim fahren.

Mit der Karte kann man auch bezahlen wenn gerade kein Geldautomat in der Gegend rumsteht und so man keine App dabei hat, in der man religiös jede Ausgabe festhält verliert man bei Bargeld schnell den Überblick, wo es denn schon wieder hin ist!

Beim Bargeld kann man auch schon mal Schüttel-Scheine erhalten (vor allem im Ausland). Das sind die Scheine, bei denen die Bank den Kopf schüttelt, wenn man sie eintauschen möchte. Manche nennen sie auch Falschgeld.

Bezahlen im Internet heute

Für Internet-Geschäfte ist Bargeld selten eine Option. Hier ist es allein schon wegen des Käufer/Verkäufer-Schutzes ratsam auf elektronische Regulierung zu setzen (sei es über PayPal, Direktüberweisung oder als letzte Option Kreditkarte). Das heißt jede Internet-Transaktion wird von zahlreichen Stellen aufgezeichnet, mit allen Vor- und Nachteilen. Das kann man mögen, muss es aber nicht.

Bezahlen im Internet mit Bitcoins

Mit Bitcoins und anderen Cryptowährungen gibt es die Chance, im Internet einen durchaus mit Bargeld vergleichbaren Anonymitätsgrad zu erreichen. Zusätzliche Vorteile sind extrem geringe Transaktionskosten, nahezu Echtzeit-Verarbeitung (Wenige Sekunden bis wenige Minuten zwischen beliebigen Punkten auf der Erde) und extrem hohe Sicherheit gegen alle erdenklichen Risiken(1) mit Ausnahme eines permanenten, globalen Stromausfalls (aber gut, dann ist wahrscheinlich das bestellte Gadget ohnehin in der Prio-Liste nach unten gerückt ;-)).

(Flame-Prävention (2): Wenn man so doof ist wie ich und sein Wallet verliert (Das war 2010) ist es wie beim Verlust der physische Geldbörse. In der Regel ist sie weg. Mit den Risiken hier sind andere Formen gemeint, wie z.B. meine Bank/mein Staat geht bankrott, meine Bank/Kreditkartenfirma sperrt meine Konten, mein Staat möchte Kapitalverkehrskontrollen einsetzen, etc.)

Bitcoins – das Wechselkurs-Risiko

Puh, ok. Der Artikel wird doch etwas komplexer als gewollt. Ein markantes und täglich eintretendes Risiko beim Handling von Bitcoins und sämtlichen anderen Cryptowährungen ist die Wechselkurs-Schwankung. Im Extremfall kann ich beispielsweise 1 Bitcoin heute zum Tageskurs von 400€ kaufen und morgen dafür Waren im Wert von 800€ bezahlen (weil der Kurs markant gestiegen ist). Dafür kann es aber auch gut in die andere Richtung gehen: Morgen kann meine Bitcoin nur mehr 60€ Wert sein und ich habe über Nacht 340€ in den Sand gesetzt.

bitcoin_kurs

Bitcoins und Marktmechanismen

Beim realen Währungszocken sind wenige % pro Tag schon eine harte Schwankungsbreite. Hier gibt es Marktmechanismen (Notenbanken, Nationalbanken, Banken, Anleihenzeichner, uvm.), die im Regelfall zu hartes Auspendeln abfedern (Ja, auch darüber könnte man wieder ganze Bücher schreiben wie es funktioniert, ob und warum man es mag oder nicht mag und unter welchen Umständen welche Mechanismen versagen, etc. Es ist ein komplexes, verwobenes System, das sich über Jahrhunderte definiert und ständig verfeinert hat.). Die Cryptowährungen haben solche Mechanismen per Design nicht, hier herrscht Turbo-Kapitalismus: Wer die meisten Bitcoins hat reguliert den Markt. Punkt. Wenn ein Einzelner 5, 10, 100, 1000 Bitcoins kauft macht das keinen Unterschied – er kann den Markt nicht beeinflussen und ist dem Willen und den Zielen der Big-Player ausgeliefert.

Im realen Währungssystem kennt man die Mitspieler und die Mechanismen, warum wer was wie macht. Selbst irre Diktatoren sind vom Marktrisiko her kalkulierbar und wenn doch nicht, dann meidet man deren Währung halt. Bei Bitcoins hat man keine Ahnung, mit wem man spielt und damit auch keinen Einblick in deren Strategien,  Motive und deren Hebel.

In manchen Cryptocurrencies versucht man aus diesem unschönen Umstand zu lernen und denkt sich Systeme aus, wie solche Manipulationen des Wechselkurses verhindert werden sollen. Die Ideen sind nicht schlecht, mangels Nutzung kann aber die Marktfähigkeit nicht beurteilt werden. Diese Modelle verschwinden recht schnell wieder vom Markt.

Bitcoin – Geldbörse/Wallet

Die Geldbörse ist ein relativ simples Stück Software – idealer Weise auf dem PC des Besitzers. Die Geldbörse hat eine weltweit eindeutige Identifikationsnummer und mindestens eine Verschlüsselung (=Das Passwort).

Die Geldbörse erfährt an Hand der Blockchain (siehe unten), wie viele Bitcoins sie gerade hat. Das funktioniert durch saldieren aller Eingänge und Ausgänge, die mit der weltweit eindeutigen Identifikationsnummer getätigt wurden.

Jeder Bitcoin-Teilnehmer auf der ganzen Welt weiß zu jedem Zeitpunkt wie viel Bitcoins in jedem der Wallets enthalten ist. Geh mal davon aus, dass es Hacker gibt, die gezielt Bitcoin-Rechner suchen und attackieren. Sei Dir sicher, dass es ein mühsamer Prozess ist, aber doch manchmal von Erfolg gekrönt. Wenn Du so ein Hacker wärst, würdest Du dann eine der eher leeren Geldbörsen attackieren oder eine gut gefüllte?

Dementsprechend ist es gut, bevor man wirklich ernsthafte Summen in Bitcoins konvertiert, sich ein Sicherheitssystem einfallen zu lassen (z.B. eine volle Geldbörse auf einem Offline-Rechner und eine Tages-Geldbörse mit ein paar Hundert € auf dem Notebook).

Nochmal zur Sicherheit: Nicht Bitcoin/Blockchain wird vom einzelnen Hacker angegriffen, sondern der Computer, auf dem die Software läuft (= Dein Windows-PC, Tablet, Smartphone).

Bitcoins in der Bitcoin-Bank – Vorsicht!

Wie erwähnt werden Bitcoins in Geldbörsen (Wallets) gehalten. Das sind relativ sperrige Dinger, weil die gesamte Blockchain (siehe unten) darauf gespeichert ist. Es gibt diverse Strategien und Workarounds für diesen Umstand, kann ich aber hier nicht darstellen.

Eine Strategie ist, ein Web-Basierendes Service in Anspruch zu nehmen. Eine Bitcoin-Bank. Die „Kontoführung“ kostet kaum etwas, lediglich beim Einzahlen von echten Währungen in Bitcoins und beim Transfer von Bitcoins zum Bankkonto fallen Gebühren an.

Das ist schön, hat aber einen Haken: Diese „Banken“ sind halt irgendwelche Startups, gegründet von mehr oder weniger professionellen aber immer sehr enthusiastischen Leuten. Da steht halt schon mal ein Server in irgendeinem Wohnzimmer rum und während die Crew am noch süßeren Userinterface rum schraubt kommt über die Hintertür ein Trojaner und bucht mal schnell ein paar Tausend Bitcoins von den Kundenkonten auf das Wallet des Hackers um (vereinfachter Prozess).

Bankraub ist so alt wie die Banken selbst. Nur sind heutige echte Banken weitgehend abgesichert und versichert. Also selbst wenn ein Räuber auf die Geldbestände Zugriff bekommt steht ein Versicherer (oder mehrere oder auch deren Rückversicherer) bereit um den Schaden wieder gut zu machen.

Die Bitcoin-Banken sind da anders. Bei einem Raub sperren sie zu. Und die Bitcoins sind weg. Auf dem Zivilweg etwas zu erreichen ist praktisch ausgeschlossen (die lassen sich ja nicht absichtlich berauben. Das sind junge, dynamische Buben, die Bitcoin cool finden. Soll man einen 25 Jährigen dann auch noch verklagen, damit er den Rest seines Lebens für seinen Enthusiasmus bezahlt?).

Deshalb Finger weg (bzw. Bitcoins weg!) aus den Banken. Natürlich wird man in den meisten Fällen ein Konto bei einer oder mehreren Bitcoin-Banken haben. Sobald man aber die Bitcoins dort empfangen hat sollte man schleunigst in sein eigenes Wallet (seine eigenen Wallets) transferieren, sodass bei einem potentiellen Bitcoin-Bank-Einbruch keine elementaren Werte verloren gehen.

Die Blockchain

Die aktuelle Zahlungs-Infrastruktur

Im realen Leben, wie oben schon erwähnt, spielen bei einer Transaktion viele Teilnehmer mit. Die sammeln (Meta-)Daten während sie die Transaktion prozessieren, halten diese gesammelten Daten bei sich vor und können damit anstellen, was sie wollen. Für die Dienstleistungen nehmen sie Geld (das ist ja auch legitim. Unternehmen erbringen Leistungen und dafür verlangen sie Gebühren. Diese fließen wiederum zu einem Teil über die Gehälter, Steuern, etc. zurück in die Volkswirtschaft. (Fast) alle sind glücklich.). Über die Jahrhunderte haben sich hier relativ klare und stabile Strukturen und Rollen herausgebildet, die unser heutiges Zahlungssystem betreiben. Banken sind hier die sichtbaren Schnittstellen zum Konsumenten der Dienstleistung, dahinter gibt es noch eine Menge von Prozessen und Institutionen, die sich darum kümmern, dass alles mit rechten Dingen zugeht.Diese Infrastruktur sichert uns in der Regel zu, dass unsere Transaktionen vollständig und korrekt abgehandelt werden.

Die Infrastruktur hinter Bitcoin und den meisten anderen Cryptowährungen

Die Blockchain (die Infrastruktur, auf der Bitcoin „läuft“) ist eine geniale Idee, wie man („man“ ist keine Bank, sondern jeder Teilnehmer des Ökosystems) die Transaktionssicherheit gewährleisten kann, ohne auf externe Dienstleistungen angewiesen zu sein. Es handelt sich dabei um ein vollständiges, verteiltes Kassenbuch aller Bitcoin-Transaktionen, die jemals durchgeführt wurden.

Das heißt, dass auf jedem der Millionen Rechner, die mittlerweile Bitcoin-Wallets (Geldbörsen) haben, jede einzelne Zahlung zwischen zwei Parteien dokumentiert ist. Dieses millionenfache replizieren der Zahlungen macht es fälschungssicher und gleichzeitig gibt es keine Notwendigkeit für Zwischenhändler. Die Bank-Transfers (Mein Konto -> Bank-Zentrale -> Ziel-Bank-Zentrale -> Ziel-Bank-Konto) sind nicht mehr notwendig. Alle Teilnehmer achten darauf, dass eine einmal bestätigte Transaktion festgeschrieben ist und auf ewig bleibt. Weil Teilnehmer Menschen und damit potentiell korrupt sind, übernimmt die Überwachung vollständig die Software.

Oh mann, Du hast wirklich bis hier her gelesen? Alle Achtung. Du müsstest Dir jetzt vielleicht die Frage stellen, ob die Bitcoin-Community verrückt ist, weil das klingt ja schon sehr öffentlich! Wo bleibt der Datenschutz?!

Blockchain – anonym

Echte Anonymität im Internet ist ein Mythos. Nur die wenigen asketischen Samurai auf ihren Tails-Linux-Boxen und ihren täglich wechselnden Burner-Sim-Karten im Darknet sind wirklich anonym. Otto-Normalverbraucher kann einiges tun, um seine Sicherheit zu erhöhen. Wird er aber zum Ziel von ernst zunehmenden Organisationen hat er es schwer.

So ähnlich auch in der Blockchain.

Generell ist die Blockchain anonym, weil in jeder Zeile dieses für jeden verfügbaren „Kontoauszugs“ nur die Transaktion an sich abgelegt ist, aber nicht WER die beiden Transaktionspartner sind. Es handelt sich lediglich um einen public key der beiden Geldbörsen, zwischen denen Bitcoins geflossen sind. Der Sicherheitsmechanismus, um Zugang zu einer Geldbörse zu bekommen ist extrem stark, soweit ich weiß bisher nicht geknackt und auch aus heutiger Sicht nicht knackbar.

Für Organisationen wie die NSA ist es theoretisch nicht unmöglich, den Ursprung oder Empfänger einer Transaktion ausfindig zu machen, vor allem wegen deren gigantischen Ressourcen und der Breite ihrer Netzwerke (man braucht 1000e Rechner, um den Globus verteilt und geschickt platziert, damit man die Blockchain infiltrieren kann. Selbst wenn es gelingt bekommt man nur wieder IP-Adressen (siehe oben – anonyme SIM-Karten sind sehr beliebt, wenn man seine Spuren verwischen möchte).

Blockchain und Bitcoin im Darknet

In der Praxis rüsten auch die dunklen Zeitgenossen auf und nehmen sich einfach mehrere, der unbegrenzten Geldbörsen, lassen sie auf irgendwelchen gemieteten BOT-Rechnern in irgendwelchen Rechenzentren laufen, transferrieren 50x in unterschiedlichen Beträgen zwischen den Geldbörsen hin- und her und „überweisen“ nach ein paar Stunden zu mehreren Orten, wo die Bitcoins wieder in Geld umgetauscht werden. Bis die NSA das nachvollzieht vergehen Wochen. Die verwendeten Rechner und Sim-Karten gibt’s dann günstig auf Ebay 🙂

 

Bitcoins und Kriminalität

Im Darknet werden, wie der Name schon vermuten lässt, Nischen bedient. Ist man Teilnehmer im Darknet legt man Wert auf erhöhte Privatsphäre. Bitcoins eignen sich Bitcoins hervorragend um anonyme Zahlungen abzuwickeln. Hegt man nicht unbedingt großes Vertrauen in die Zusammenarbeit so kann man (gegen Gebühr!) eines der zahlreichen Escrow-Service verwenden.

Das ist im wesentlichen nichts anderes, als wenn man in bestimmten Etablissements doch lieber bar bezahlt, als mit der Kreditkarte.

Ja, wie auch beim Bargeld (und Hämmern und Messern) entscheidet der einzelne Mensch, wie er die Ressource verwendet. Das macht Bitcoin aber nicht schlechter als ein Schweizer Messer.

Bitcoin und die weltweite Revolution (=Ausblick)

Bitcoins (und die darunter liegende Blockchain – aber das ist nochmal ein ganze eigenes Kapitel) hätten Potential die Welt wie wir sie kennen tiefgreifend zu verändern. Umgehung sämtlicher Landesgesetze und Kapitalflusskontrollen, Schwarzgeld im wirklich großen Stil (und bei uns werden gerade die 500€-Scheine abgeschafft – lächerlich!), Wegfall sämtlicher Währungen und damit verbunden sämtlicher Banken (Reine Kreditinstitute würde es weiter geben, aber mit entsprechend höherem Risiko und damit noch schwerer an Geld zu gelangen als mit Basel-II), völlige Umgestaltung der Investitions-Infrastruktur, extrem schwierig für Gebietskörperschaften an Steuereinnahmen zu kommen.

Für alle Anarchos unter uns klingt das zuckersüß! Nieder mit dem Establishment und dann??? Wer sorgt für die Sicherheit (Polizei, Heer, Nachrichtendienste)? Wer kümmert sich um all die, die im Turbo-Kapitalismus auf dem Pannenstreifen stehen? Überleg mal: Morgen kann Dir ein Stein auf den Kopf fallen. Ist nicht weiter tragisch – Du wirst mit der Rettung ins nächstgelegene Spital gebracht und dort gibt’s doch tatsächlich einen fachkundigen Arzt, der Dich behandelt, eine Schwester, die den Verband wechselt und div. Apparate, um Dich zu monitoren.

Im Bitcoin-Turbokapitalismus musst Du für solche Fälle Rücklagen bilden und wenn Du es nicht machen kannst oder willst? Zudem bist Du darauf angewiesen, dass Irgendwer auf Verdacht ein Spital gebaut hat und auf Verdacht einen Arzt angestellt hat, in der Hoffnung, dass bald die großen Bitcoins eintrudeln, die die Investition wieder wett machen. In einer Stadt mag das sogar noch passieren, aber wie sieht es im ländlichen Raum aus? Wer könnte denn – wenn nicht der Staat- Infrastrukturprojekte stemmen (Eisenbahn, öffentlicher Verkehr, Straßen/Brücken/Tunnel-Bau), etc. Nur wenn die Steuern weiter fließen gibt es unsere Gesellschaft weiter, so wie wir sie kennen.

Ich bin kein Gegner der Bitcoins oder der Blockchain, ganz im Gegenteil.

Wenn wir wirklich irgendwann auf Bitcoins umstellen (gerne!), dann brauchen wir davor ein Konzept, wie es danach weiter gehen soll. Wie wollen wir leben und arbeiten? Nicht jeder einzelne, sondern als Gesellschaft. Wie stellen wir sicher, dass Randbereiche der Gesellschaft nicht wegkippen – denn wenn wir uns nicht darum kümmern sind soziale Unruhen auf globaler Ebene vorprogrammiert. Einfach nur zu sagen, dass die Banken schlecht sind, mag eine Meinung sein, ist aber ist zu wenig. Wir brauchen tragfähige Konzepte, wie wir üble Dinge/Prozesse/Organisationen durch bessere, tragfähige Mechanismen ersetzen. Das ist alles andere als einfach und ich hab keine Idee, ob das jemals gelingen wird.

Bitcoin – ein Ausblick

Wie ich die Lage einschätze haben leider und glücklicherweise diverse Organisationen den Ernst der Lage erkannt und Vorbereitungen getroffen. (Leider, weil sich damit das Experiment Bitcoin eigentlich erübrigt hat… Glücklicherweise, weil ich mir die Auswirkungen einer unvorbereiteten, ungelenkten globalen Revolution nicht mal annähernd ausmalen möchte).

Sollte Bitcoin mehr als ein ehrgeiziges, tolles, kühnes Projekt werden – also wirklich an den Strukturen des Establishments zu kratzen beginnen – dann wird es abgedreht. Nicht technisch (das geht nicht) aber ökonomisch. Banken halten ausreichend Bitcoins um den Kurs jederzeit – von heute auf morgen – in den Keller zu treiben. Jeder Bitcoin-Besitzer würde den Großteil seines Besitzes verlieren. Sie tun es nicht, weil derzeit keine Gefahr da ist und wir können hoffentlich noch lange mit dem Gedanken dieser neuen Gesellschaft experimentieren und finden vielleicht auch ein globales Modell, wie wir die Technologie nutzen können.

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